Erschienen:17.07.2004 / SZ / VK_LOK / BLOK15_2
Ressort:Lokales
Textname:vk.b2.17.hand
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Verfasser:Von SZ-Mitarbeiterin

Sabine Graf< / I>

 

Auseinandersetzung mit der Tradition saarländischer Kunst

Begegnung der Generationen

Begegnung der Generationen: August Clüsserath trifft auf die Studierenden der Klasse von Wolfgang Nestler in der Handwerkergasse

Zeichnungen von August Clüsserath sind in der Handwerkergasse des Völklinger Weltkulturerbes in Zusammenhang gestellt mit Arbeiten von Studierenden, Professoren und Dozenten der Hochschule der Bildenden Künste Saar.

Von SZ-Mitarbeiterin

Sabine Graf

Völklingen. Nachdem Wolfgang Nestler im vergangenen Jahr die Ausstellung „neue gruppe saar“ im Museum Haus Ludwig in Saarlouis gesehen hatte, stand sein Plan fest: Er wollte eine Begegnung der Generationen herbeiführen. Denn ein wichtiges Mitglied der 1957 gegründeten Vereinigung war der 1899 in Völklingen geborene und dort in späteren Jahren am Marie-Luise-Kaschnitz-Gymnasium unterrichtende Maler August Clüsserath.

So setzten sich die Studenten am Ende des Sommersemesters an der Hochschule der Bildenden Künste Saar mit der Tradition saarländischer Kunst und deren Vermittlung auseinander. August Clüsseraths Werk bestimmte wie kaum ein anderes die saarländische Kunst nach 1945. Sein Rang war und ist einzigartig, was sich erneut in der Bilderinstallation „eingemischt“ zeigt. 25 mit Tusche oder Kugelschreiber ausgeführte Zeichnungen des 1966 verstorbenen August Clüsseraths bilden das Gerüst einer Begegnung mit Arbeiten von 22 Studierenden, Professoren und Dozenten, die in der Handwerkergasse im Weltkulturerbe arbeiten. Ein „Raumklang“ ist entstanden, sagt dazu Wolfgang Nestler. Seine Klasse hat seit 1989 in der Handwerkergasse, der Dependance der Hochschule der bildenden Künste Saar, ihren Platz gefunden. Zu Recht ist es ein „besonderer Ort“, wie der Prorektor der Saar-Kunsthochschule, Daniel Hausig bemerkte, worin ihm Helga Knich-Walter als Vertreterin des Kultusministeriums in ihrer Begrüßung zustimmte. Denn aus der Sammlung der Bilder ist ein einziges, sich über die Wände ziehendes Wandbild geworden. Clüsseraths Zeichnungen bilden das Gerüst, in das sich die Zeichnungen der Bewohner der Handwerkergasse einfügen. Der Blick des Betrachters folgt dabei den Verbindungen der Farben, Strukturen und Formen in den Bildern. Dabei funktioniert die auf das Detail fixierte Nahsicht ebenso wie der Blick aus der Entfernung, der sich den Formen zuwendet. Dass diese Verbindung glückt, verdankt sie der Beschäftigung des Ahnherrn wie seiner Nachfolger mit den Fragen nach dem Verhältnis von Linie und Fläche sowie Figur und Raum. Eine Beziehung entspann sich dabei zum Klangraum, den die Brandmüller-Schülerin Lin Wang in den Raum schickte wie auch zum Waschraum, in dem die Rosenbach-Schülerin Susanne Schorr ihre Performance zeigte. Ihre auf der schiefen Ebene, die noch von der Diplomarbeit der Nestler-Schülerin Tanja Endres-Klemm verblieben war, entwickelten Körperbilder sprachen in ihrer Heftigkeit von dieser Auseinandersetzung von Figur und Raum.

Dagegen blieben die Videoarbeiten des von Ulrike Rosenbach betreuten Projektes „Feindesland-Freundesland I“ beliebig. Das Projekt, das sich mit der Geschichte des Saarlandes beschäftigen will, zog sich mangels Erfahrung mit selbiger auf die „innere Suche nach dem Feind in sich“ zurück, so Ulrike Rosenbach. Demgemäß auch die Performanceaktion von Maria Kowalski und Sy Vincent Schmitz über „Ich-Du“ beziehungsweise Rollenklischees: Nichts anderes als die Pflege einer Innerlichkeit, die nichts mit der gelebten künstlerischen Radikalität Clüsseraths zu tun hat.